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Lebenschancen: manchmal liegt im Problem die Lösung

Geschätzte Lesezeit: 6 Minuten, 30 Sekunden

offene Tür_die Lösung im Problem

Ich glaube nicht an Zufälle im Leben. Ich bin überzeugt, dass alles, was uns passiert, dazu dient, dass wir innerlich wachsen. Wenn wir ein klares Ziel vor Augen haben und dem Leben vertrauen, werden uns ständig neue Türen geöffnet, die uns weiter bringen sollen. Entweder gehen wir hindurch und entwickeln uns weiter. Oder wir entscheiden uns, doch nicht hindurchzugehen und lernen vielleicht dabei ebenfalls etwas über uns selbst.

Ich habe beides schon erlebt. Ich habe aber auch erlebt, dass mich das Leben zwingen musste, durch eine Tür hindurchzugehen. Weil dahinter der beste Weg für mich lag, aber ich wollte es lange nicht kapieren.

Jahrelang war es für mich am wichtigsten, finanziell unabhängig und beruflich erfolgreich zu sein. Nach vielen verschiedenen Job-Episoden bin ich als Quereinsteiger mit null BWL- und Online Marketing Kenntnissen irgendwie in die Online Branche hineingerutscht. Es war totaler „Zufall“ (natürlich nicht! es war auch eine offene Tür), aber ich habe mich da schnell sehr wohlgefühlt. Aber ich habe auch hart dafür gearbeitet. Über die Jahre haben sich immer wieder Türen geöffnet, die mir ermöglicht haben, meine Ziele zu erreichen. Lange Zeit wollte ich immer mehr, immer höher. Ich hatte immer tolle Chefs, durfte irgendwann ein tolles Team leiten und bin auch persönlich an meinen Aufgaben gewachsen.

Gefängnis - Die Lösung im Problem

Doch irgendwann hat sich für mich die Tür angefangen zu schließen und ich war drin. Gefangen. Ich wollte nicht mehr da sein, wo ich war, aber ich wusste auch nicht, wo ich hin will. Ich hatte keine Ahnung, nach welcher anderen Tür ich Ausschau halten sollte… Oder vielleicht hatte ich zu viel Angst davor? Ich denke … ja, ich denke, ich hatte ganz viele Ängste… Und diese haben meine tiefsten Wünsche und Träume komplett überdeckt. Ich habe keine offenen Türen gesehen…

Die Tür zu dem Lebensabschnitt, in dem ich gerade noch mitten drin war, hat sich immer weiter geschlossen. Irgendwann ist die Luft immer dünner geworden. Bis ich das Gefühl hatte, ersticken zu müssen. Ich konnte aber nicht raus… Ich wollte nicht, weil ich nicht wusste wohin… Ich konnte mich von meinem bisherigen Lebensentwurf nicht so richtig trennen… Er hat mir Sicherheit gegeben, auch wenn er mich nicht mehr glücklich gemacht hat. Hier kannte ich mich aus und wußte, was ich zu erwarten habe.

Mir ging es immer schlechter, körperlich und psychisch. Aber ich habe keine Lösung gesehen. Irgendwann habe ich nur noch funktioniert. Und endlich musste ich mir eingestehen: ich stehe kurz vorm Burnout. Mit allen Symptomen, die dazu gehören.

Schließlich wurde mir klar, dass ich kürzer treten muss. Soweit sich das mit meinem Job vereinbaren ließ, habe ich das gemacht. Alle sozialen Kontakte wurden auf das notwendige Minimum heruntergefahren. Ich habe zeitweise quasi nur noch gearbeitet und geschlafen. Ressourcen geschont. Keine privaten Unternehmungen und Aufregungen. Durchhalten. Regenerieren. Irgendwann war ich dann soweit stabil, dass ich wieder Freude am Leben hatte.

Und dann hat sich auf ein Mal unerwartet kurz eine Tür geöffnet.

Aber in meinem damaligen Job. Eine Aufstiegschance. Als alter Workoholicer habe ich diese Chance ergriffen. Weil mein Naturell es nicht anders erlaubt hat. Aber noch mitten im Bewerbungsprozess habe ich gemerkt, dass ich mich durch den fast-Burnout geändert habe. Mein neues Ich wollte diesen Weg nicht. Ich habe alles daran gesetzt, dass mir diese Tür wieder geschlossen wird – ich habe mich in der Bewerbung ganz schlecht verkauft und habe die Stelle nicht bekommen.

Diese Tür wurde mir nur dafür aufgemacht, damit mir endgültig klar wird: der Weg, den ich bisher ging, ist für mich zu Ende

Meine Prioritäten haben sich in der Zeit davor grundlegend geändert. Um das zu kapieren, hat es diese Erfahrung erst gebraucht. Früher hätte ich diesen Aufstieg über alles andere gewollt. Jetzt war mir mehr Ruhe und Work-Life-Balance in meinem Leben viel wichtiger. Wie es Kiwi Pfingsten in ihrem Artikel so schön in Worte gefasst hat, manche Türen gehen auf, damit man sie schließt:

„Und das hat dann trotzdem einen Einfluss. Denn auch dann gerät etwas in Bewegung und ruft dich dazu auf, deine Perspektiven zu überdenken. Es ist wie ein kleines Erdbeben – du wirst nur ein bisschen durchgeschüttelt… Manchmal kann so eine Tür also auch dazu da sein, dir zu zeigen, was du nicht willst.“

So steckte ich wieder in meinem Käfig, aber wusste zumindest, wohin ich NICHT will.

Aber der Stein war schon ins Rollen gekommen. Nach und nach bin ich immer bereiter gewesen, mein Leben zu verändern. Der Leidensdruck war auch einfach hoch genug. Ich war immer noch nicht so fit und leistungsfähig, wie vor dem Beinahe-Burnout. Letztlich hat mir dann auch gedämmert, was in meiner Situation wohl die beste Lösung für mich ist:

Eine Auszeit. Das war die Tür, die irgendwo im Nebel vor mir lag.

Und ja Kiwi, Du hast sooo recht!

„In den vielen Fällen haben diese Türen nicht nur einen starken Sog auf uns, sondern sie rufen gleichzeitig unsere Zweifler auf den Plan. Unsere „Vernunft“ – die Stimmen, die dagegen sind.“

Ich hatte auch viele „Zweifler“… Seeehr viele!

Als der erste bewußte Gedanke an die Auszeit in meinem Kopf gekeimt ist, hatte ich ganz viele Zweifler. Aber irgendwie intuitiv wusste ich, dass ich mit ihnen sehr behutsam umgehen muss. Ich habe gesagt: „Wartet mal: Ich will ja nicht gleich von heute auf morgen aussteigen. Ich will es einfach nur mal im Kopf durchspielen, wie das denn wäre? Ist das denn wirklich alles so kompliziert? Und keine Sorge, meine lieben Zweifler: wenn Eure Einwände begründet sind, dann lasse ich es sein. Ich will ja auch nicht mein ganzes Leben aufs Spiel setzen.“

Die „Zweifler“ wollen uns ja letztlich nur schützen.

Alles, was unbekannt ist, ist unsicher für sie. Was, wenn es schief läuft? Wenn Du finanzielle Probleme bekommst? Wenn Du Deine Position verlierst? Was, wenn Du wieder zurück bist und nicht mehr kannst? Manchmal sind die Zweifler so beharrlich in ihrer Aufgabe uns zu schützen, dass man sie mit gewaltsamen Aktionen nur noch verstärken kann.

Dann hilft eine behutsame Entkräftung der Einwände:
– öffne die Tür, vor der Du stehst, erstmals nur theoretisch, in Deinem Kopf.
– Spiele verschiedene Optionen für Deinen Plan durch und überlege, was ist das Schlimmste, was passieren kann? Und was ist das Beste?
– Was ist Dein Plan B, wenn Dein Plan A tatsächlich schief läuft?
– Kannst Du eventuell zum Ausgangspunkt zurück?
– Was sagt Deine Familie, was sagen Deine Freunde dazu? Unterstützen sie Dich?
– Schließlich: kannst Du es Dir überhaupt finanziell leisten und unter welchen Bedingungen?

Lese über Menschen, die ähnlichen Schritt gegangen sind, wie Du es vorhast. Suche nach solchen Personen und sprich mit Ihnen. Schreibe all Deinen Gedankengänge zu Deinem Vorhaben auf, Deine Ängste, Befürchtungen, Pläne … Aber das alles habe ich ja schon detailiert hier beschrieben.

Mache Dich auf jeden Fall mal mit dem Thema vertraut.

Und Du wirst sehen, dass wenn Du in Gedanken durch die Tür gegangen bist, sie oft im echten Leben viel leichter aufgeht.

Wenn ich das jetzt aus der Zeitperspektive betrachte, komme ich zu dem Schluß:

Es gibt auch Chancen im Leben, die in Problemen versteckt sind.

Bei mir war es der Beinahe-Burnout. Er hat mich zu meinem Glück gezwungen. Er hat mir eine neue Tür aufgezeigt, die ich als solche erstmal gar nicht sehen konnte und wollte… Er hat sie so beleuchtet, dass es die einzige Tür wurde, die ich auf die längere Sicht nicht übersehen konnte. Sie stand vor mir, wie ein Brandenburger Tor in der Nacht! Ich war so gefangen in meinem alten Arbeitsstill, meinen alten Prioritäten, den vielen Ängsten bezüglich einer Veränderung, dass ich erstmal ordentlich durchgeschüttelt werden musste, um diese Tür wahrzunehmen. Erst nach dieser Phase, erst als es einfach in meinem alten Leben richtig unangenehm wurde, war ich bereit, nach einem Ausgang Ausschau zu halten.

Die Krise hat mich förmlich durch diese Tür gezwungen.

Ich denke, wenn es mich vor ein paar Jahren nicht so gebeutelt hätte, … dann ja, genau, was dann? Dann gäbe es diesen Blog nicht! Ich hätte nämlich nicht gewagt, eine Auszeit zu nehmen. Erstmal auf das eigene Geld zu verzichten. Ein Cut zu machen. Ich hätte es neben der Arbeit nie geschafft, einen Blog zu schreiben. Ich hätte einfach weiter gemacht wie zuvor. Ich wäre vielleicht beruflich noch weiter aufgestiegen, hätte mich aber never ever in Richtung meiner Träume bewegt. Ich hätte mich nie getraut, über meine Schwächen zu schreiben. Über meine Ängste. Ich hätte mich mit vielen meiner Ängste gar nicht erst auseinander gesetzt. Und ich bin absolut der Meinung, dass man sich vor allem in Konfrontation mit den eigenen Ängsten weiter entwickelt!

Ich bin immer noch mitten drin in meiner Chance. Bin gerade sozusagen durch die Tür durch, sehe aber schon viele weitere Türen, die sich öffnen. Jede Begegnung, jeder Post, Blog, Einladung enthält für mich gerade solche Türen. Ich bin gespannt, was die nächsten Monate mit sich bringen und welche Türen ich durchschreite. Und wo ich am Ende des Jahres bin.

Ich danke Dir, Kiwi, dass Du den Austausch zum Thema Chancen und Türen ins Leben gerufen hast!

2 Kommentare

  1. Liebe Arleta!

    Dein Artikel erinnert mich sehr an meine und so wundert es mich nicht, dass das Thema dich inspiriert hat. Ich danke dir sehr, dass du deine persönlichen Erfahrungen hier teilst und ich bin sicher, dein Weg wird noch einige tolle Türen für dich bereit halten!

    Ich wünsche dir viel Erfolg und danke dir herzlich, dass du bei meiner Blogparade mitgemacht hast!

    Liebe Grüße,

    Kiwi

  2. Ciao Arleta!
    Du schreibst deine Geschichte, genauso wie ich auch mein Leben erlebe: die 1000 Ängste, die uns daran hindern einfach zu leben und zu geniessen.
    Wie wir uns selbst verlieren in stressigen Gedanken und unbeantworteten Fragen.
    Dabei wäre es so einfach!
    Danke für deinen Artikel, es tut immer wieder gut zu lesen, dass ich nicht allein bin mit meinen innerlichen Herausforderungen.
    Alles Liebe, Susanna

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