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München – meine zweite Heimat…

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten, 55 Sekunden

20 Jahre her ist es dieses Jahr… so lange dauert schon mein Münchner Moment… 20 Jahre, als ich aus einer Kleinstadt aus meiner Geburtsheimat ins große München gezogen bin… Meine Wahlheimat… 20 Jahre so vieler berührender wichtiger Momente meines Lebens… Als ich über diese Blogparade gestolpert bin, bin ich gleich total nostalgisch geworden…

Es sollte nur für ein Jahr sein. Ich wollte nie mein Leben in einer Großstadt verbringen. Ich mag keine Großstädte. Sie machen mir Angst, sie überfordern mich mit ihrem chaotischen und lauten Straßenverkehr, sie bedrücken mich mit ihren Betonwüsten, sie rauben mir die Luft mit dem Übermaß an Impulsen und anonymen Menschenmassen. Aber es sollte nur für ein Jahr sein – das halte ich doch durch – habe ich mir gedacht. Ich wollte die Sprache lernen und danach wieder in meine Heimat zurück. Als ich mit dem Fernbus nach München hinein und dann durch die Stadt hindurch fuhr, dachte ich mir: wow, so habe ich mir DIESE Großstadt nicht vorgestellt! Sie war nicht im geringsten bedrückend. Dafür gespickt mit unzähligen Fassaden wunderschöner alter Häuser, erfrischend mit immer wieder auftauchenden grünen Flächen. Und dann stand ich da: im September 1995 am Busbahnhof an der Hackerbrücke. Den gibt es heute nicht mehr, er würde nach Fröttmaning ausgelagert. Als mich die Familie empfangen hat, bei der ich 12 Monate lang auf zwei kleine Jungs aufpassen sollte, wußte ich: München sieht nicht nur toll aus, es hat auch tolle herzliche Einwohner! So lässt sich das Jahr vielleicht noch besser aushalten, als erwartet.

Das Jahr ging viel schneller als gedacht vorbei und war voller unvergesslicher Momente und Orte. Ich habe in Neuhausen gewohnt, direkt am Rotkreuzplatz. Schon das war für mich ein großes Glück: einerseit eine sehr ruhige Gegend, auf der anderen Seite eine perfekte Ausgangslage für alle möglichen Sehenswürdigekeiten und interessante Fleckchen und alle Einkaufsmöglichkeiten zu Fuß erreichbar. Im Nympenburger Park habe ich oft Ruhe und mich selbst gesucht und gefunden. Ich kann mich gar nicht erinnern, wie oft ich an der Treppe des Hubertusbrunnens saß, gelesen oder in meinem Tagebuch geschrieben habe oder einfach nur meinen Bick verträumt den Nympenburger-Kanal entlang wandern ließ. Oder bei Sarcletti – DER Eisdiele weit und breit – bei einem Eisbecher oder Kaffee unzähige Stunden mit Lesen verbrachte…

Eine Zeitlang bin ich immer in der Früh zum Olympiapark gejogged. Über die Frundsbergstaße, Taxistraße, Hohenlohestr, unter der Landshuter Allee hindurch und zack war ich im Park. Auf dem Olympiaberg habe ich immer eine kurze Pause für meine Yoga Übungen eingelegt und bin dann wieder zurück gelaufen.

Ich habe es genossen, München mit dem Fahrad zu durchqueren. U-Bahn, Tram oder Bus habe ich nur bei schlechtem Wetter benutzt. Sonst fand ich es einfach herrlich, auf zwei Rädern durch die Stadt zu flitzen und immer die Möglichkeit zu haben, abzusteigen. So konnte ich immer spontan entscheiden, ob ich irgendetwas genauer sehen will oder meine Route ändern. Aus der Fahrrad-Perspektive erschien mir München tatsächlich wie das größte Dorf der Welt. Ich habe mich in der Stadt immer sicher gefühlt, egal ob ich im Englischen Garten auf der Wiese saß oder um Mitternacht mit der U-Bahn durch Neuperlach Süd nach Hause gefahren bin, wo ich eine Freundin besucht habe.

Nach und nach hat mir die Stadt mit Herz mein Herz gestohlen. Nach einem Jahr wollte ich nicht so richtig zurück. Ich bin ein halbes Jahr länger geblieben. Doch danach war es nur noch schwerer, wegzufahren. München ist ein Teil von mir geworden. Ich konnte mir nicht mehr vorstellen, die Stadt, die vielen Plätze, an denen ich geträumt, geweint und gelacht habe, die vielen Freunde hinter mir zu lassen. Noch bevor ich in meiner Heimat noch richtig angekommen war, hatte ich einen neuen Plan. 6 Wochen später habe ich wieder meine Koffer gepackt und mich an der LMU eingeschrieben. So fing für mich ein neues Kapitel an. Wieder voller aufregender Momente, neuer Plätze, Freunde und verrücktem Studentenleben. Die Bilder vom Stundenwohnheim in der Adelheidstr. 13 stehen mir da sofort vor meinen Augen. Das Internationale Studentenwohnheim. Von jeder Nationalität haben dort nur 2 Personen gewohnt. Einmal im Semester haben die Neuen eine Party geschmissen. Unsere war so mega, dass wir unter den Partys der letzten 3 Jahre das meiste Geld an der Bar verdient haben! Der Gemeinschaftsraum im Stockwerk wurde gemeinschaftlich wild eingerichtet. Aber dafür war es dann gemütlich, auf einmal wollte jeder dort essen, sitzen und ratschen und nicht mehr im eigenen Zimmer. Ich muss schmunzeln, wenn ich an die ewigen Streitereien um Ordnung denke. An die regelmässig im Chaos versinkende Küche und die Suche nach den Schuldigen: wer hat als letzter gekocht und seine Sauerei nicht aufgeräumt? An die lustigen Zettel auf den Toiletten: „Tritt näher ran, er ist kürzer als Du denkst“. Oft saßen wir in dem kleinen Garten vor dem Haus und haben gelernt, gelesen oder uns unterhalten.

Münchner Momente_Gemeinschaftsraum im Stundentenwohnheim

Im Sommer bei schönem Wetter war es zum englischen Garten nur ein Katzensprung. Stundenlang haben wir Mädels uns in einer abgelegenen Ecke oben ohne in der Sonne gebraten. Streifenfrei musste es sein. Zumindest oben rum. Und für die richtig wilden unter uns gab es eine Abend-Fahrradtour zum Eisbach im Schwabinger Teil des Parks. Die ersten 60 Sekunden in dem teuflisch kalten Wasser haben einem fast die Beine abfallen lassen. Aber jedes weitere Mal war leichter. Das i-Tüpfelchen dabei waren die beeindruckten Gesichtsausdrücke der Jungs, als 2-3 verrückte junge Frauen unerschrocken in die Eisfluten gestiegen sind, um nach 15 Minuten freudestrahlend wieder rauszukommen. Bis dahin sind den Jungs die Gesichter schon vom Zuschauen erfroren.

Doch bald hat mir München ein zweites Mal mein Herz gestohlen. Ab da waren meine Münchner Momente ganz eng mit dem schönen alten Uni-Gebäude und dem jungen Assyriologie-Studenten verbunden. Lange Stunden im obersten Stockwerk des Hauptgebäudes. Spaziergänge durch den Alten Nordfriedhof mit seinen wunderschönen historischen Grabsteinen. Händchenhalten auf der Treppe des Monopteros, mit dem Blick auf die grünen Weiten des Englischen Gartens und die Kuppel der Frauenkirche… Und dann schließlich die großen runden Steine vor dem Haupteingang der Uni, auf denen sitzend wir uns verlobt haben… Gerade mal 11 Tage jung war damals unsere Beziehung. Heute ist sie 17 Jahre alt.

Ich habe schon unzählige Gelegeneheiten gehabt, München zu verlassen. Eigentlich ist es mir hier zu kalt und ich mag lieber Meer statt Berge. Ich bringe es aber nicht fertig. Die Stadt ist mir total unter die Haut gegangen, mit allem, was ich hier erlebt habe und immer noch erlebe. Es liegt für mich irgendein geheimer Zauber darauf: es ist nicht nur die Schönheit der Architektur, das viele Grün, was die Stadt so gar nicht großstädtisch aussehen lässt. Es sind auch viele herzberührende Momente, die ich hier wie nirgendwo anders erlebt habe. Die vielen Menschen, die mir im Laufe der Jahre ihre Freundschaft und Freundlichkeit gezeigt haben. Inzwischen wohne ich im Münchner Umland. Aber die Sicherheit, jederzeit innerhalb von 30 Minuten in der Stadt sein zu können, ist mir wichtig.

München ist halt meine zweite Heimat.

3 Kommentare

  1. ….ohhhh, Du schreibst mir so aus der Seele!!! Ich lebe die Hälfte des Jahres (im Sommer) in Italien – dachte immer, dies sei mein Traum….. Aber München fehlt mir so waaaaahnsinnig, dieses Lebensgefühl, die Freundlichkeit und Gelassenheit der Münchner, Biergärten an den schönsten Orten, der Flaucher und und und
    Wusstest Du, dass im Müllerschen Volksbad früher Hunde baden konnten….also gewaschen wurden. Die Markierungen links neben der Kasse – zeigen an: 10 Pfennig für kleine Hunde – bis zur unteren Markierung… 20 Pfennige für grössere Hunde – obere Markierung.
    Ich liebe diese Stadt!

    • Das ist schon spannend mit eigenen Träumen, dass sie einen nicht unbedingt glücklich machen, wenn man sie sich erfüllt… Aber man weißt es ja erst, wenn man es versucht… Wo in Italien lebst Du?

      Das ist ja witzig, mit den Hunden im Müllerschen Volksbad! Das muss ich mir mal anschauen :)

      Liebe Grüße
      Arleta

  2. Pingback: So lief unsere Blogparade "Münchner Momente" teilnehmende Blogs › Münchner Momente. Das Blog des offiziellen Stadtportals.

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