Try Happiness!

Aus neu mach alt – eine Ikea Küche wird zur shabby chic Küche

Geschätzte Lesezeit: 7 Minuten, 13 Sekunden

Als wir vor zehn Jahren unser Haus bezogen haben, wußte ich noch nicht, wie ich es einrichten möchte, welchen Stil ich eigentlich mag, welche Farben, Möbel…. etc.

In der Mietwohnung wollte ich nicht viel in meinen eigenen Geschmack investieren. Ich habe viele Kompromisse gemacht, da ich wußte, dass wir dort nicht ewig bleiben. Die Mietwohnung für viel Geld an unsere Vorlieben anpassen und dann nach dem Umzug alles hinter mir lassen wollte ich nicht. Und irgendwie habe ich auf diese Art und Weise meinem Einrichtungsgeschmackssinn einen Maulkorb verpasst. Nach dem Hauskauf wußte ich eigentlich gar nicht, was ich will. So habe ich erst nach längerer Zeit festgestellt, was mir gefällt und was nicht.

Auch die Küche war davon betroffen. Ich wusste damals nicht, welche ich eigentlich haben möchte. Wir haben unsere alte Ikea Küche mit Holzfronten mitgenommen und erstmal so, wie sie war, aufgebaut. Sie war nicht schlecht, aber auch nicht mehr so der Hammer.

Küche alt

Die Möbel haben glücklicherweise auch in unsere neue Küche reingepasst. Aber braune Möbel in einer braunen Küche… Na ja, das war nicht so umwerfend… Ich wollte mir aber Zeit lassen, die Vorstellung von einer neuen endgültigen Küche in mir wachsen lassen. Und das war auch gut so.

Mit der Zeit hat sich herausgestellt, dass mein Traum so eine riiiichtig große Küche ist. Eine, in der man kochen und gleichzeitig auch gemeinsam essen kann, in der die Gäste bequem sitzen können, während ich das Essen vorbereite. Unsere Küche ist sehr klein, hat dafür aber das Esszimmer gleich nebenan. Trotzdem tummeln sich oft alle Gäste in dieser Mini-Küche, während ich koche oder Getränke zubereite! Manchmal stehen dort 6 Leute auf den 6 qm!

Irgendwann muss die Wand raus, welche die Küche und das Esszimmer unnötig trennt. Ich will eine große Essküche haben! Mit dem ganzen Schnick-Schnack und den Bequemlichkeiten, die ich mir bis dahin erträume und plane. Da das aber ein größeres Projekt ist und wir derzeit noch andere, wichtigere haben, muss es noch etwas warten. Bis dahin will ich mich dort aber trotzdem wohlfühlen, OHNE viel Geld zu investieren.

Im Moment stehe ich total auf weiße Einrichtungen, wenn es geht mit einem leichten shabby chic. Der Plan war also:

Soviel weiße Farbe in die Küche reinzubringen, wie es geht! OHNE, dass es wie im Krankenhaus aussieht!

Also habe ich mit den einfachsten Mittel unsere Küche zu einer süßen shabby chic Küche umdekoriert.

Shabby chic Küche – die Möbel

Als wir die Holzfronten ausgesucht haben (eine Ewigkeit her!) haben sie mir gefallen. Aber die Zeit ist längst vorbei. Sie sehen auch nicht mehr schön aus – dunkler geworden, stellenweise angeschlagen.

Zuerst habe ich die Fronten der Ikea-Schränke abgeschliffen und lasiert. Warum nicht mit einer einfachen Acryl-Farbe gestrichen? Ganz einfach: diese verbindet sich nicht ordentlich mit dem Holz und früher oder später blättert sie ab. Außerdem wollte ich, dass die Maserung des Holzes durch den neuen Anstrich leicht durchscheint. Ich habe die Türen zweimal lasiert, dann mit einem feinkörnigen Schleifpapier vorsichtig glatt geschliffen. Das macht das Holz samtig glatt. Anschließend habe ich alles mit transparentem Möbelwachs eingerieben. So ist die Oberfläche schön geschützt, die Möbel sind wunderbar hell geworden und die Farbe wird durch das ständige Anfassen und gelegentliches Abwaschen nicht abblättern. Sie wird sich höchstens an manchen Stellen mit der Zeit abreiben. Das tut dem Charme der shabby chic Küche aber keinen Abbruch. Und man kann es, sollte es doch mal notwendig sein, leicht nachlasieren oder nachwachsen, ohne alles wieder sauber schleifen zu müssen.

Die Türknaufe wollte ich ursprünglich austauschen, aber dann habe ich mich doch nur für eine neue Farbe entschieden. Ich habe die alten abgeschraubt, angeschliffen und mit einem pflaumenfarbigen Acryl-Lack gestrichen. Inzwischen sind schon 2 Jahre vergangen und an dem einen Knauf blättert der Lack leicht ab. Acryl-Farbe halt. Aber bei der kleinen Fläche ist das kein Problem – ich werde denn einfach wieder anschleifen und neu streichen. Passend dazu ist die Blumenvase auf der rechten Seite der Küchenzeile in verschiedenen Violett-Tönen gehalten und dient damit als Farbtupfer in der weißen Küche.

Die Körbe auf der linken Seite der Küchenzeile habe ich mit weißem Acryl-Lack gestrichen.

Der ganz normale moderne Hahn wurde ebenfalls durch ein stilvolles und gar nicht teures Teil von Ikea ersetzt.

Eine braune Speisekammer-Tür wird weiß

Eine weitere Hässlichkeit in der Küche war die Tür zur Speisekammer, die ebenfalls braun war (wie alle Türen in unserem Haus – bisher zumindest). Sie war zwar nicht komplett aus Holz, aber mit Holz furniert. Das Holzfurnier lässt sich auch sehr gut abschleifen. Man sollte dabei allerdings vorsichtig sein und nicht zu tief schleifen, da das Furnier ja nur ca. 1 mm dick ist. Danach mit einem feuchten Tuch vom Staub befreien und 4 mal mit Hilfe von einem flachen Pinsel mit einer weißen Alpina Universal Lasur (bei Obi ca. 14 Euro pro 750 ml Dose) streichen. Eventuell wie bei den Küchenfronten nach dem Trocknen mit einem feinkörnigen Schleifpapier anschleifen und mit Möbelwachs einreiben.

Ach ja, das Ganze sollte man natürlich lieber nicht im Haus machen, sondern draußen. Das Schleifen des Türrahmens ist dabei natürlich etwas tricky. Entweder baut man sich dafür eine Vorrichtung aus Folie, die den ganzen Türrahmen einschließt und ausreichend Platz für die arbeitende Person lässt oder man entfernt die Lackschicht mit einem flüssigen Abbeizmittel und Spachtel. Bei der zweiten Methode ist es sehr wichtig, das bei guter Belüftung durchzuführen, da die Mittel unglaublich stinken. Ach, und vor der ganzen Arbeit sollte man natürlich auch das Türschloß ausbauen.

Küche SpeisekammerKüche Speisekammer nah

Fliesen streichen – ratet mal mit welcher Farbe!

Natürlich WEISS! Ich hatte wirklich gaaanz viel Braun in der Küche… Die Fliesen waren ebenfalls braun. (also wenn ich sage, daß die Küche vor der Renovierung k…cke aussah, dann hat das noch eine etwas tiefere Bedeutung…) Aber neue Fliesen kamen nicht in Frage, wenn wir vielleicht in 3 Jahren alles komplett umbauen sollen.

Also habe ich die alten mit der Farbe Resinence Color (bei Obi zu kaufen – 85,98 € / l) gestrichen. Man reinigt die Fliesen ordentlich, reibt sie dann noch mit Aceton ab, um restliche Fettspuren zu entfernen und streicht dann zweimal mit der gewählten Farbe (dafür eine kleine Rolle benutzen – unbedingt die weiße, da die gelben nicht für lösungsmittelhaltige Farben geeignet sind und dadurch zerfallen). Dann kommt noch eine Versiegelungsschicht (57,99 € pro 500ml – reicht für 5 qm). Wenn man die Trocknungszeit zwischen den Schichten berücksichtigt, ist nach 3 Tagen alles fertig.

Das Ergebnis hat mich selbst überrascht! Die alten Fliesen waren ziemlich rau, unpraktisch zum Putzen. Nach dem Streichen ist die Oberfläche schön geglättet aber durch die ursprüngliche raue und unregelmässige Struktur nicht spiegelglatt. Sie passt ganz gut zu meiner Idee der shabby chick Küche und lässt sich gut reinigen. Die Fugen werden hier mitgestrichen aber der ursprüngliche Struktur-Unterschied bewirkt, dass alles eben nicht wie einheitlich zugekleistert aussieht (wie ich befürchtet habe). Auf manchen Fliesen gab es kleine Bildchen, deren Farbe etwas erhoben war. Ich hatte Bedenken, dass sich diese Bilder nach dem Streichen komisch abheben werden (sichtbar aber halt in weiß). Das ist nicht der Fall. Man sieht zwar irgendwelche Unregelmässigkeiten, aber die stören nicht (siehe Foto). Es passt zum Gesamtstil der Küche.

Die Details, die eine shabby chic Küche ausmachen

Dann kamen noch ein paar Kleinigkeiten, wie das passende Abtropfgestell von Mirabeau, ein shabby chic Gewürzregal von Dawanda. Dawanda ist wirklich eine Goldgrube für Vintage, shabby chic und Ähnliches.

Stinknormale graue Topflappen von Ikea habe ich mit einem Band mit Rosenmuster dekoriert. Die karierten rosaroten Geschirrtücher von Ikea passen perfekt zur Einrichtung. Vor allem wenn sie an einem romantischen Handtuchhalter hängen.

Auf der anderen Seite der Küche habe ich ein weiß lasiertes Regalbrett an nostalgischen Haltern montiert. Darauf hat eine Kaffee-Dose von Depot ihren Platz gefunden, sowie zwei angeschlagene Tassen (zum Trinken nicht mehr geeignet, aber als Deko schon) und eine selbst gebastelte Dose.

Details, Details Details!

In einer shabby chic Küche sind Details unglaublich wichtig! Sicherlich ist Euch aufgefallen, dass ich nicht nur die Schränke und Fliesen „erneuert“ habe. Alle „Kleinigkeiten“, die ich oben aufgezählt habe, sind ganz wichtige Bestandteile der Einrichtung und tragen zum Gesamtbild bei. Es gibt nicht viele moderne Gegenstände, die sich mit dem Stil vertragen und keinen Stil-Bruch bewirken. Außer der passenden klassischen Form ist bei shabby chic auch das Material wichtig: Holz, Glas, Stoff oder Metall. Alles aus Plastik scheidet schon mal aus. Ein Abtropfgestell aus Kunststoff geht gar nicht. Dieses musste daher weichen und wurde durch den Abtropfkorb aus Metall ersetzt. Auch der Wasserkocher und Toaster mussten ausgetauscht werden. Moderne Geräte, auch wenn sie von Bosch sind und 100 Euro oder mehr kosten, sobald da Plastik und modernes kantiges Design dabei sind, passen einfach von der Form und/oder vom Material nicht rein. Meine Geräte habe ich bei DeLonghi gefunden. Sie sind vielleicht farblich nicht perfekt so, wie ich sie gerne hätte, aber mit ihrer nostalgischen Form und emaillierten Oberfläche fügen sie sich doch ganz gut ins Bild. Das Nudelsieb aus Edelstahl habe ich gegen ein weißes emailliertes ausgetauscht (IKEA). Es gibt heutzutage viele Gegenstände des täglichen Gebrauchs, die süß nostalgisch aussehen, aber alle modernen technischen Features haben, die man gewohnt ist. Manchmal muss man etwas länger suchen, aber es lohnt sich. Das Bild wird mit jedem weiteren passenden Teil immer runder und vollständiger!

Kosten

Ich habe diese mal für Euch grob zusammengezählt: für alle Gegenstände und Materialien, die ich in diesem Post erwähnt habe, habe ich circa. 600 € gezahlt. Ich rechne noch zusätzlich ca. 100 € für Spitze, Kleber, Bordüren etc., die man immer gebrauchen kann. Also die 100 € sind nicht vollständig in der Küche verbraucht worden – da kann ich noch viele andere Dinge damit gestalten. Insgesamt – wirklich großzügig nach oben aufgerundet – 700€ für die Neugestaltung der Küche. Viel? Ich finde nicht! Die komplette Renovierung samt Umbau, neuen Möbeln, Fliesen etc. hätte wahrscheinlich einige Tausend Euro gekostet.

Und natürlich solltet Ihr berücksichtigen, dass Schleifen und Streichen viel Zeit kostet. Es ist eine Lösung für die, die gerne handwerken!

4 Kommentare

  1. Hallo Arleta,
    wirklich cool was du aus der alten Küche gemacht hast, sieht super aus!
    Ich habe mit der alten Küche meiner Eltern, die ich gerne für meine Wohnung übernehmen würde, ähnliches vor. Sie ist deiner alten Küche gar nicht so unähnlich! :) Sie hat auch keine glatten Fronten, sondern diese abgesetzten Kassetten. Jetzt die Frage: Erst Schleifen, dann Streichen und Versiegeln ist klar, aber wie hast du diese kleinen Ecken an den Kassetten gleichmäßig geschliffen gekriegt, damit auch nachher die Lasur schön gleichmäßg wird? Das ist mir noch nicht klar wie ich das machen soll. Könntest du mir da einen Tipp geben?
    Vielen Dank schon mal! Liebe Grüße, Romana

  2. Hallo Romana,

    ja, diese kleinen Ecken an den Kassetten sind nicht einfach zu schleifen. Bei meiner Küche war die Lackschicht nicht sonderlich dick, trotzdem ist es tricky. Es gibt verschiedene Verkzeuge, mit denen Du schleifen kannst: Schleifpapier, Schleifwolle, Schwingschleifer, eine kleine Mehrzweckschleifmaschine. Was Du benutzt ist immer davon abhängig, wie dick und hartnäckig die abzuschleifende Schicht ist und wie hart das Holz ist. Bei meiner Küche musste ich sehr vorsichtig sein, da die Schränke recht weich waren. Du kannst auch mit einem Abbeizer versuchen. Aber hier muss man beachten, dass er höllisch stinkt und erstmal das Holz aufweicht. Nach der Einwirkzeit sollte die Lackschicht mit einem Spachtel oder Lappen abgetragen werden. Nachdem das Holz wieder duchgetrocknet ist, schleifst Du es mit einem Schleifpapier. Du wirst wahrscheinlich nicht drumherum kommen, es an einer kleinen Stelle auszuprobieren, welche Methode für Deine Schränke am besten funktioniert. Hast Du auch Glaseinsätze in den Schranktüren? Dann kann ich nur empfehlen, sie ordentilch abzukleben bevor Du mit dem Schleifen anfängst. Sonst zerkratzt Du Dir die Scheiben.
    Wenn Du noch Fragen hast, nur zu!

  3. Ich bin in Mietwohnungen mit weißen Wänden aufgewachsen und habe diese ,weil sie so unkompliziert, frisch und neutral sind, sehr lieb gewonnen. Jetzt da ich mit meinem Mann etwas eigenes beziehe, fragen mich alle was für Wandfarben ich möchte. Doch auf die Antwort „weiß“ war wohl keiner gefasst. Jetzt muss ich mir anhören, wie deprimierend und langweilig weiß ist und dass das ein absolutes No-Go ist. Mein Mann sagt „egal hauptsache eine warme Farbe“.
    Und nun stehe ich da mit einer gigantischen Auswahl an (grässlich bunten) Farben und weis gar nicht was ich will und was überhaupt passt.
    Deine Küche sieht fantastisch aus! Ich wünschte ich könnte das auch machen ;)

    • Liebe Lina, ich finde weiß nicht nur praktisch, sondern so entspannend! Von der Farbe aus aber auch von den Möglichkeiten, die sie einem gibt: Du kannst ein weißes Zimmer immer wieder farbig neu gestaltet, indem Du andere Gardinen aufhängst, Bunte Kissen in einer neuen Farbe hinlegst, verschiede Wohnaccessoires hinstellst… Farbige Wänder würden mich so was von einschränken! Ich wünsche Dir, dass Du für Dich eine Lösung findest, mit der Du leben kannst.

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