Try Happiness!

Warum Du Deine Angst vorm Scheitern nutzen statt überwinden solltest

Geschätzte Lesezeit: 5 Minuten, 51 Sekunden

Angst vorm ScheiternAngst. Ein viel diskutiertes, allen bekanntes, für manche leidvolles Thema. Ich sage inzwischen ganz offen, dass ich ein Angsthase bin. Das heißt allerdings nicht, dass ich mich von meinen Ängsten lähmen lasse und im Leben passiv bin. Im Gegenteil. Ich bin regelrecht süchtig danach, meine eigenen Ängste zu überwinden. Ich nenne es eigentlich am liebsten „zähmen“ statt „überwinden“. Es klingt friedlicher. Es spiegelt auch besser die Methode, die ich bevorzuge. Was ich damit meine, kannst Du hier nachlesen. Ich sehe mich als Ängsteflüsterer. So ähnlich wie Pferdeflüsterer.

Angst vorm Scheitern und Perfektionismus

Als ich über den Artikel von Anne Janas über Angst vorm Scheitern und ihren Aufruf zur Blogparade gestolpert bin, dachte ich mir: „Ja!!! Mein Thema! Da will ich auch etwas dazu sagen!“

Angst vorm Scheitern. Sie hängt mit Perfektionismus zusammen. Und der Angst, Anfänger zu sein. „Ich darf kein Anfänger sein. ICH bin doch kein Anfänger!“ schreit der Perfektionist in mir. Tja… Anfänger DÜRFEN scheitern… Wie Kinder, die laufen lernen…

Jahrelang hat mich die Angst vorm Scheitern begleitet. Ich weiß gar nicht, wann sie in meinem Leben aufgetaucht ist. Wir waren wie ein altes Ehepaar, bei dem die Leidenschaft längst verflogen ist. Eine Trennung ist undenkbar und man kämpf sich durch den Alltag durch. Ich habe gelernt, mit ihr zu leben. Ich hatte keine Wahl. Neben der starken Angst vorm Scheitern hatte ich aber glücklicherweise auch immer einen starken Wunsch nach einem glücklichen Leben. Mein Herz hat sich unbequemerweise immer wieder Dinge ausgesucht, die nicht so einfach waren. Die ich erst lernen musste.

Ich durfte nie ein Anfänger sein

Und so lebten wir ein paar Jahrzehnte lang: ich, meine Angst und mein unruhiges Happiness-hungriges Herz. Manchmal ging es einfacher, manchmal nicht so. Besonders, wenn andere Menschen zusahen, war es hart. In neuen Situationen, in Sachen, bei denen mir die Kompetenz fehlte, war ich dadurch sehr zurückgezogen und schweigsam. Ich traute mich nicht, Dinge zu probieren. Aus Angst, Fehler zu machen. Ich traute mich nicht zu fragen. Aus Angst, „dumme“ Fragen zu stellen. Ich wollte mich nicht outen, dass ich ein Anfänger bin. Dadurch wuchs meine Kompetenz entsprechend langsam. Dadurch wirkte ich schüchtern.

Ich habe mich trotzdem weiter entwickelt, meine Ziele erreicht, mir Träume erfüllt, aber ich war immer mehr erschöpft. Ich kämpfte ja die ganze Zeit. Gefühlt gegen mich selbst. Erlebnisse wie der Sprung ins Blaue beim Tauchen haben mir Vertrauen gegeben, dass ich die scheinbar schwierigsten Dinge hinbekomme. Sie haben der Angst vorm Scheitern ein Gegengewicht verschaffen. Doch sie haben sie nicht beseitigt.

Meine größte Angst vor mir selbst und anderen zuzugeben, hat mich befreit!

Viele Jahre meines Lebens gab es aber eine bestimmte Sache, die ich nicht hinbekommen habe. Sie hat mich phasenweise sehr belastet. Ich hatte zwar den Führerschein, konnte aber nicht fahren. Die Geschichte dahinter ist recht banal: Ich habe mit 17 mein Führerschein gemacht. Gerade frisch fahren gelernt, aber noch total unsicher am Steuer, hätte ich beinahe einen heftigen Unfall gebaut. In meinem Kopf ist jemand FAST ums Leben gekommen. Und ich war schuld. In Wirklichkeit ist aber niemandem etwas passiert, noch nicht mal einen Blechschaden gab es. Nur einen kleinen Schock für mich und meinen auf dem Beifahrersitz sitzenden Vater.

Nach diesem Vorfall hat sich irgendwie längere Zeit keine Gelegenheit für mich ergeben, mich hinters Steuer zu setzen. Mitten im Studium bin ich von Zuhause ausgezogen, ein Auto brauchte ich nicht, hätte es mir aber auch nicht leisten können. Später, schon mit meinem Mann, wohnte ich wieder verkehrstechnisch günstig. Wir kauften zwar ein Auto, aber brauchten es selten und nur in der gemeinsamen Freizeit. Ich hatte keinen Druck.

So vergingen Jahre. Ich wurde älter. Wir zogen aufs Land. Auf einmal fühlte ich mich immer mehr eingeschränkt. Ich habe Fahrstunden genommen. Ganz klar hatte ich die Erwartung, dass ich nach 2-3 Fahrten einfach mal anfange, langsam alleine zu fahren. Ich HATTE DOCH SCHON LANGE einen Führerschein! Da muss das doch gleich perfekt gehen! Mir Fehler und einen Anfänger-Status erlauben? Niemals!

Zu meiner Überraschung ist meine Unsicherheit aber auch nach der 4ten, 5ten und 6ten Fahrt keinen Millimeter weniger geworden. Im Gegenteil: Ich hatte das Gefühl, dass sie erst jetzt so richtig aus ihrem Schlupfloch herausgekrochen kam. Ich habe richtige Panik-Symptome bekommen. Nach und nach dämmerte es mir, dass ich es nicht mit einer gewöhnlichen Unsicherheit durch mangelnde Fahrerfahrung zu tun habe. Der kleine Vorfall von damals ist im Laufe der Jahre zu einem Trauma mutiert. Plötzlich stand ich vor einem Problem, welches ich nicht mit Beharrlichkeit, Fleiß und einer „einfach mal machen“-Einstellung lösen konnte. Es war frustrierend.

Nimm Deine Ängste ernst, benenne sie, aber lasse Dich nicht von ihnen leiten!

Lange Zeit nach dieser Erkenntnis habe ich trotzdem noch die Augen verschlossen. Ich habe gemieden, das Ganze beim Namen zu nennen. Es war ja eine Schwäche… Wer hat schon gerne Schwächen… und vor allem solche… Und wenn ich „ES“ nicht bei Namen nenne (Trauma, Phobie whatever), dann habe ich vielleicht keine…? Als ich dann doch das erste Mal LAUT, vor mir und meinem Mann, ausgesprochen habe, wie stark mich diese Angst im Griff hat, fühlte ich mich … entblößt, verletzlich, schwach, angreifbar, minderwertig… Ich, eine erwachsene, erfolgreiche und in allen Hinsichten selbständige Frau, habe mich zu einer Schwäche bekannt. Ich habe mich geschämt… Auch wenn mein Verstand darüber den Kopf geschüttelt hat… Doch ich habe viel Verständnis gefunden! Und Unterstützung!

Das Gute an so einem Coming Out ist: Erstens: sobald man die Dinge bei ihrem Namen nennt, kann man die Augen nicht mehr verschließen. Zweitens: Sobald man die Augen nicht mehr verschließt, hat man die Chance, die Dinge richtig zu sehen! Und meistens sind sie gar nicht mehr so schlimm, wie in unserer Vorstellung. Drittens: Sie beim Namen zu nennen, ist wie eine Diagnose. Wenn Du eine Diagnose hast, dann kannst Du nach einer passenden und wirksamen Behandlungsmethode suchen.

Anfänger-Status macht Dich frei!

Es war hart für mich, zu akzeptieren, dass ich ein ANFÄNGER bin. Sich bewusst zu machen, welche Vorteile ein Anfänger-Status hat, hat mir dabei geholfen. Es gab mir die Freiheit, die Ansprüche an mich selbst zu reduzieren, Ratschläge und Hilfe anzunehmen und mir Fehler zu erlauben. Nicht nur beim Autofahren. Insgesamt kann ich dadurch viel Zeit und Energie sparen, und viel schneller den Anfänger-Status verlassen.

Zusammen mit einem Plan der kleinen Schritte, hat das bei mir Wunder bewirkt. Ich konnte auf einmal meine, wenn auch kleinen, Fortschritte sehen! Und wertschätzen! Diese Wertschätzung mir selbst gegenüber hat mir Kraft und Mut gegeben. Es hat meine Motivation genährt, die für mich dazu nötig war, weiter zu üben. Und endlich einen Punkt zu erreichen, dass ich soviel Kompetenz aufgebaut habe, dass das Autofahren angefangen hat, Spaß zu machen. Ab da war der Spaß eine zusätzliche Motivation! Innerhalb von 3 Monaten bin ich tausende Kilometer quer durch Europa gefahren. Plötzlich war ich kein Anfänger mehr.

Meine Learnings über die Angst vorm Scheitern für Dich

Und heute? Ich liebe Autofahren! Die ganze Geschichte hat mir nachhaltig wahnsinnig viel Kraft gegeben und einige zusätzliche Learnings:

  • Angst, egal wie stark oder schwach oder aus deiner Sicht lächerlich sie ist, ist VÖLLIG IN ORDNUNG! Sie gehört dazu, ist nichts Schlimmes und Du brauchst Dich nicht für sie schämen oder sie zu verstecken.
  • Angst einzugestehen heißt noch lange nicht, sie an das Steuer Deines Lebens zu lassen.
  • In dem Moment, wo Du die Angst offen vor Dir selbst zugibst, nimmst Du ihr die Kraft: Wenn Du den Blick auf sie wirfst, kannst Du sie Dir genauer anschauen und konkrete passende Schritte unternehmen, sie zu zähmen.
  • Deine Angst vor anderen zuzugeben macht Dich menschlicher, sympathischer. Es weckt sogar bei den anderen die Bereitschaft, Dir zu helfen, die Angst und Deine Schwierigkeiten zu überwinden. Du kannst dadurch eigentlich nur noch stärker werden.
  • Angst ist wie ein Schleier, der Deine Persönlichkeit, Deine Talente, Passionen verdeckt. Wenn Du es schaffst, ihn zu lüften, kannst Du die großartigsten Überraschungen erleben. Du erlebst Dich selbst als jemand, den Du bisher so noch gar nicht kanntest.
  • Deine Ängste sind Hinweise auf Deine Potentiale und Möglichkeiten. Sie tauchen nur bei Dingen auf, die für DICH wichtig sein können. Daher: schau hin, schau dahinter und wachse!

Deswegen zitiere ich hier Anne: „Lass es uns gemeinsam okay finden, Angst zu haben und offen mit einander zu brainstormen, was Lösungen für Probleme sein können.“

2 Kommentare

  1. Hi Arleta,

    Das ist wirklich eine bewegende Geschichte mit deinem Führerschein. Ich erkenne mich selbst wieder und ich habe auch zu oft Schwierigkeiten damit meine Fehler und meine Angst zuzugeben.

    Doch du hast recht, erst wenn man das Kind beim Namen nennt, die „Probleme“ akzeptiert, dann kann man auch wirksame Lösungen entwickeln.

    Danke für diese Ermutigung.

    Alles liebe
    Tina

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.